Masterbuilt Gravity 1050: Bypass Panel — vom Design zum fertigen Teil
Der Masterbuilt Gravity Series 1050 ist ein ausgezeichneter Smoker. Aber er hat eine Eigenheit die mich irgendwann genug geärgert hat um etwas dagegen zu tun: drei Türsensoren — Garraum, Aschekasten, Hopper-Deckel — die den Lüfter sofort abschalten sobald eine Tür geöffnet wird. Das verhindert Temperaturen über 260°C und ist als Sicherheitsfunktion gedacht. In der Praxis bedeutet es: kurz nachschauen, Tür auf, Lüfter aus, Temperatur fällt.
Die Lösung: ein Bypass Panel mit drei SPST Kippschaltern, das die Sensoren überbrückt. Klingt simpel. War es auch — bis der Drucker entschied, eine andere Meinung zu haben.
Das Problem und die Idee
Die drei Sensoren des MB1050 sind mit JST SM 2-Pin Steckern angeschlossen — das macht die Sache handhabbar. Die Idee war schnell skizziert:
flowchart LR
A[MB1050\nController] -->|JST SM 2-Pin| B[Bypass Panel\n3x SPST Kippschalter]
B -->|Überbrückung| C[Türsensoren\nGarraum / Aschekasten / Hopper]
B -->|Schalter EIN| D[✅ Lüfter läuft\nauch bei offener Tür]
B -->|Schalter AUS| E[🔒 Original-Verhalten\nSensoren aktiv]
Schalter ein = Sensor überbrückt, Lüfter läuft durch. Schalter aus = Original-Verhalten, Sensor aktiv. Einfach, reversibel, keine permanenten Änderungen am Gerät.
Die Stückliste
| Bauteil | Spezifikation | Zweck |
|---|---|---|
| SPST Kippschalter | Mit roter Schutzkappe | Sensor-Bypass |
| JST SM 2-Pin Stecker | Passend zu Original-Steckern | Steckkompatibilität |
| WAGO 221-412 Klemmen | Hebelklemmen | Saubere Verbindungen |
| Zwillingslitze | 2x0,5mm² | Verkabelung |
| Geflechtschlauch | 8mm, selbstschließend | Kabelmanagement |
| Ruthex Gewindeeinsätze | RX-M4x8.1 | Robuste Verschraubung |
Das Design in Fusion 360
Das Gehäuse ist nichts Spektakuläres — aber es muss passen, robust sein, und gut aussehen. 110x78x40mm, 3mm Wandstärke.
Was rein musste
Drei Ø13mm Bohrungen oben, gleichmäßig verteilt, für die Kippschalter. Standard — aber die Platzierung muss stimmen damit die Schutzklappen sich nicht gegenseitig blockieren.
Vier Befestigungswinkel diagonal in den Ecken, je 15x15mm mit M4 Bohrungen (Ø5,6mm, 10mm tief) für die Ruthex Gewindeeinsätze. Gewindeeinsätze einschmelzen statt direkt in Kunststoff schrauben — das hält deutlich besser, besonders bei etwas das am Smoker sitzt und Vibrationen ausgesetzt ist.
Drei erhabene Beschriftungsschilder — 28x10mm, Impact-Schrift, mit Rahmen und kleinen Nieten in den Ecken. CHAMBER / ASH BIN / HOPPER. Klar lesbar, auch wenn man nicht genau hinschaut.
Das Logo
Hier wurde es interessant. Das CODECRAFTER Logo — Wolke, Chip mit </>, angeschnittenes Zahnrad — musste auf das Panel. Unten rechts, erhaben gedruckt.
Der erste Entwurf war zu filigran. Zu dünne Linien, zu viel Detail — auf einem kleinen Panel kaum erkennbar, und für den 3D-Druck ungeeignet. Mit Hilfe von Gemini und Recraft.ai entstand eine überarbeitete Version: deutlich dickere Linien, reines Symbol ohne Text, und das bewusst angeschnittene Zahnrad das dem Logo seinen dynamischen Charakter gibt.
Das angeschnittene Zahnrad ist kein Fehler — es ist eine Entscheidung. Es suggeriert Bewegung, Prozess, etwas das noch läuft. Passt gut zu einem Blog über Technik und Maker-Projekte.
Der Druck: Was geplant war und was passierte
Hier wird es ehrlich. Und etwas schmerzhaft.
Der Plan
Multimaterial-Druck auf dem Bambu P1S:
- ASA+ schwarz für das Gehäuse — UV-beständig, hitzebeständig, passt zum Smoker-Umfeld
- Silk PLA+ Silber für die Beschriftungsschilder und das Logo — schöner Kontrast, metallischer Glanz
Klingt gut. Bambu Studio hat sogar eine Warnung ausgegeben — Temperaturinkompatibilität zwischen ASA+ (~255°C) und Silk PLA+ (~220°C). Die wurde ignoriert. Fehler Nummer eins.
Problem 1: Delamination
Das gedruckte Gehäuse zeigte deutliche Schichttrennungen an den Seiten. Klassisches ASA+ Feuchtigkeitsproblem — das Filament war zwar vakuumverpackt gewesen, hatte aber offenbar trotzdem Feuchtigkeit gezogen.
graph TD
classDef danger fill:#7f1d1d,color:#fca5a5,stroke:#fca5a5,stroke-width:1.5px
classDef success fill:#14532d,color:#86efac,stroke:#86efac,stroke-width:1.5px
A[ASA+ Filament\nvakuumverpackt] -->|Feuchtigkeit aufgenommen| B[Delamination\nan den Seitenwänden]
B --> C[Gehäuse unbrauchbar]
C --> D[Ursache: Filament\nnicht getrocknet]
D --> E[Lektion: ASA+\nmin. 4-6h bei 55-60°C\ntrocknen]
class C danger
class E success
Lektion: ASA+ vor dem Druck immer trocknen. Mindestens 4-6 Stunden bei 55-60°C. Auch wenn das Filament frisch aus der Vakuumverpackung kommt.
Problem 2: Hotend-Jam
Während ASA+ im Hotend war, hat das Silk PLA+ beim Materialwechsel im Heatbreak verklebt. Der Temperaturunterschied war zu groß — das PLA+ hat sich bei ASA+-Temperaturen verändert und einen massiven Jam verursacht.
Das Filament ließ sich weder über den AMS entladen noch manuell herausziehen. Stunden der Fehlersuche folgten: Bowden-Schläuche getrennt, Düse ausgebaut — der Jam saß im Heatbreak fest. Nicht lösbar ohne kompletten Hotend-Tausch.
Konsequenz: Neues Hotend bestellt. JUUPINE 3-Pack, 0.2/0.4/0.6mm, Hardened Steel, P1S-kompatibel. Dazu eine komplette Druckerwartung geplant — Extruder-Reinigung nach Bambu Wiki, Linearschienen, Gewindestangen.
Was ich daraus mitgenommen habe
Drei klare Lektionen:
1. ASA+ niemals mit anderen Filamenten im Multimaterial-Druck mischen.
Die Temperaturwarnung in Bambu Studio ist kein Hinweis — sie ist ein Stopp-Schild. Ich habe sie ignoriert. Das war ein Fehler.
2. Bambu Studios Temperaturwarnungen ernst nehmen.
Die Software weiß was sie tut. Wenn sie warnt, gibt es einen Grund.
3. ASA+ immer trocknen.
Vakuumverpackt ist nicht gleich trocken. ASA+ ist hygroskopisch — es zieht aktiv Feuchtigkeit aus der Luft. Vor dem Druck immer ins Trockengehäuse.
Der neue Plan
Nach dem Hotend-Tausch und der Druckerwartung geht es mit einem geänderten Material-Setup weiter:
| Ursprünglicher Plan | Neuer Plan | |
|---|---|---|
| Gehäuse | ASA+ schwarz | PETG schwarz |
| Schilder & Logo | Silk PLA+ Silber | Silk PLA+ Silber |
| Kompatibilität | ⚠️ Warnung | ✅ Keine Warnung |
| Hitzebeständigkeit | Sehr hoch | Ausreichend |
| Druckschwierigkeit | Hoch | Mittel |
PETG ist für diesen Anwendungsfall ausreichend hitzebeständig — das Panel sitzt am Controller-Gehäuse, nicht direkt über der Hitzequelle. Und PETG + Silk PLA+ sind temperaturkompatibel. Keine Warnungen, kein Risiko.
Was als nächstes kommt
- Druckerwartung abschließen (Extruder, Linearschienen, Gewindestangen)
- Finaler Druck mit PETG schwarz + Silk PLA+ Silber
- Verkabelung mit WAGO-Klemmen und Geflechtschlauch
- Ruthex Gewindeeinsätze einschmelzen, Zusammenbau
- Funktionstest am MB1050
- Veröffentlichung auf MakerWorld als erstes öffentliches CODECRAFTER Projekt
Das Projekt und alle Designs werden auf MakerWorld unter @Codecrafter veröffentlicht. Stay tuned.
Fazit
Das Bypass Panel ist noch nicht fertig — aber der Weg dahin war lehrreicher als das Ergebnis es je sein könnte. ASA+ Delamination, Hotend-Jam, Materialinkompatibilität — alles Dinge die man einmal erlebt haben sollte, damit man sie kein zweites Mal erlebt.
Was mich an Maker-Projekten fasziniert: Es gibt keinen Weg um die eigene Erfahrung herum. Man kann lesen, planen, recherchieren — und dann druckt der Drucker trotzdem was er will. Oder eben nicht.
Das Gehäuse kommt. Und wenn es fertig ist, landet es auf MakerWorld mit allem was dazugehört — Design-Files, Stückliste, Verkabelungsplan, und die vollständige Leidensgeschichte die dazu geführt hat.
Alle verwendeten Materialien und Bauteile sind aus eigener Tasche — keine Sponsoren, keine Affiliate-Links. Was hier steht, ist echte Erfahrung.
Dieser Artikel gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und steht in keinem Zusammenhang mit beruflichen Tätigkeiten.